Pflegestärkungsgesetz II ab 2017

 

Fünf Pflegegrade ersetzen die Pflegestufen!

 

Wichtig bei der „Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes“ war bisher nicht, wie schwer eine Krankheit oder eine Einschränkung ist, sondern welcher Hilfebedarf in Bezug auf die „gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im täglichen Leben“ (§14 Abs. 1SGB XI) besteht.

Für die Pflegestufe wurde bisher nur der Zeitaufwand der Pflege und Betreuung ermittelt. Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (z.B. Demenz) erhalten deshalb oft keine Pflegestufe.

 

Was sind die fünf neuen Pflegegrade?

 

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll sich nicht mehr nach dem zeitlichen Pflegeaufwand orientieren. Maßstab soll in Zukunft der Grad der Selbständigkeit sein. Dieser soll durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben.

Mit diesen Punkten  wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Es erfolgt die Einteilung der Pflegebedürftigen in eine der fünf Pflegegrade. Durch die Umstellung soll niemand schlechter gestellt werden als vorher. Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, werden automatisch und ohne Antrag in einen neuen Pflegegrad eingestuft:

 

 Pflegestufe 0 = Pflegegrad 1

Pflegestufe 1 = Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 + Eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 = Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 + Eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 = Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 + Eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 5

Härtefall = Pflegegrad 5

 

Entscheidend für die Einstufung in einen Pflegegrad wird nicht mehr der zeitliche Aufwand sein, sondern der gesamtheitliche Eindruck des Pflegebedürftigen.

 

Im Begutachtungsassessment (NBA) werden sechs Bereiche überprüft:

 

1.   Hilfen bei Alltagsverrichtungen:

       Ähnlich wie bei der Pflegestufe werden hier der Zeitaufwand für        

       Pflege und Unterstützung erfasst.

2.    Psychosoziale Unterstützung:

       Dieser Bereich ist im Vergleich zu den Pflegestufen neu und erfasst

       den Hilfsbedarf z.B. bei Verwirrtheit, Depressionen, Strukturierung

       des Tages.

3.    Nächtlicher Hilfebedarf:

       Ebenfalls ein Kriterium, was schon bei den Pflegestufen zählte.

4.    Präsenz am Tag:

       Hier wird überprüft, ob die Personen noch Gefahren erkennen und

       für bestimmte Zeiten alleine gelassen werden können.

5.    Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten

       Anforderungen:

       z.B. Medikamentengabe, Wundversorgung, Blutzucker-Messung...

6.    Organisation der Hilfen:

       Wer kann Hilfe leisten? Reicht die Pflege durch Angehörige oder ist

       professionelle Hilfe notwendig?